Thailand

Sparring in Thailand

Fairtex Gym Pattaya
Fairtex Gym Pattaya

Kampfsportler aus Deutschland und Europa, die speziell zum Thaiboxtraining nach Thailand fliegen werden einige Unterschiede zum heimischen Training festgestellt haben. In diesem Bericht soll der Fokus auf das Thai-Sparring gelegt werden.    


Für die meisten ist es ein beeindruckendes Erlebnis, zum ersten Mal in einem echten provinziellen Muay Thai Gym zu trainieren. Das Training unter freiem Himmel, der allgegenwertige Duftcocktail aus Essensdüften, exotischen Ölen, Kloake Geruch oder dem Benzindunst in der Luft. Es ist heiß, die Luftfeuchtigkeit hoch und man erahnt was es bedeutet ein Kämpferleben unter diesen Bedingungen zu führen. Verbringt man mehrere Wochen oder Monate in einem ursprünglichen Muay Thai Camp, kann das durchaus einen bleibenden wenn gar lebensverändernden Eindruck hinterlassen.

Unser Urlaub endet, doch der spartanische Zyklus im Camp aus trainieren, essen, schlafen und kämpfen geht weiter. Ein Nak Muay (Thaiboxer) steigt alle 4 Wochen in den Ring und kann durchaus eine Kampfbilanz aus 200-500 Profikämpfen erzielen. Wem das bewusst ist, versteht auch weshalb das Sparring in Thailand anders abläuft als bei uns zu Hause.  Da die wenigsten von uns in regelmäßigen Abständen kämpfen gehen, werden die Sparringtreffen mit Trainingskollegen oder Kämpfern aus anderen Kampfsportvereinen zu einem Kräftemessen. Wir nutzen das Sparring als Simulation und Annäherung an das reale Erleben eines Echtkampfes.

 

Sparring mit Yodsaenklai Fairtex
Sparring mit Yodsaenklai Fairtex

Der Trainingsablauf in Thailand ist landesweit nahezu identisch. Das Training ist monoton, spartanisch und hart. Muay Thai Techniken sind schnörkellos aber effektiv. Die Techniken werden kontinuierlich wiederholt und am Sandsack oder in Partnerarbeit perfektioniert. Der Fokus liegt auf den Kicks und dem Clinch. Das Boxen wird vernachlässigt, was dem Punktesystem in Thailand zu verschulden ist. Faustschläge ergeben im Ring keine Punkte, gewertet werden nur Tritte und Clinch-Aktionen. Jedoch ist ein KO durch einen Schlag oder einen Ellbogen erlaubt und erwünscht. 

Das Sparring im Camp wird spielerisch gehalten und lauthals kommentiert. Die Schläge und Tritte werden dynamisch und ohne unnötige Härte ausgeübt. Der Fokus liegt auf Timing, Distanz und Raffinesse. Es gilt den Sparringspartner aus der Balance zu bringen, ihn im Clinch zu dominieren, geschickte Kickmanöver zu starten oder den Partner auf den Boden zu werfen. Erfahrene Thaiboxer tragen das Thaisparring ohne Boxhandschuhe und ohne Schienbeinschoner aus. Aufgrund des spielerischen Sparrings, bleiben die Kontrahenten entspannt und können sich auch Verhaltensfehler erlauben ohne dabei verletzt zu werden. Die Kämpfer in Thailand können es sich nicht erlauben aufgrund von Trainingsverletzungen auszufallen.

Fakt ist, Muay Thai wird in Thailand häufig aus existenziellen Gründen ausgeübt. Die Kämpfer ernähren mit ihren Kämpfergagen ihre Familien.  Ego- und Kräftewettstreit welcher die Verletzungsgefahr erhöht, ist während dem Training strengstens untersagt. Das Sparring dient im Fokus nicht der Abhärtung, sondern die Kampfbereitschaft auf spielerische Weise aufrecht zu erhalten.

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