Impressionen

Meine persönliche Sicht auf Vollkontaktsport in Deutschland damals und heute...

Karate Tiger 1
Karate Tiger 1

Der folgende Bericht basiert auf keiner statistischen Erhebung. Ich drücke nur meine persönliche Meinung aus, meine Erfahrungen und Eindrücke, die ich während meiner sportlichen Laufbahn gesammelt habe.Die Kindheit und Jugend meiner Generation wurde durch Filme der 80er und 90er Jahre beeinflusst. Das Verständnis von Kampfkunst und die Wahrnehmung der dominierenden Kampfkünste jener Zeit war anders heute.


Wer vor 25 Jahren in Kontakt mit Kickboxen trat, war auf jeden Fall einer der Pioniere in Deutschland. 

Jedoch exotischer und brutaler ist und war das Thai-Boxen. Lange bevor Ong Bak oder ähnliche Film Produktionen das Thai- und Kickboxen populär machten,  gab uns Jean Claude Van Damme mit Filmen wie The Kickboxer oder Blood Sport einen Eindruck darüber was asiatischer Kampfsport neben Karate oder Kung Fu noch zu bieten hatte.

Karate, Taekwondo oder Kung Fu galten als hochwirksame Kampfkünste. Martial Arts boomte! Bruce Lee, Jean-Claude Van Damme oder Michael Dudikoff zeigte uns mehr oder weniger beeindruckende Kampfchoreographien. Asiatische Kampfkünste waren nicht nur exotisch, sie versprachen unmenschliche Fähigkeiten mit dem eigenen Körper auszuführen.

 

Inspiriert durch Filme wie Karate Kid, Karate Tiger oder Filme mit Bruce Lee endeten viele Jungs meiner Generation in einem Karate, Taekwondo oder Kung Fu Verein. Die Erwartungen waren hoch und die Enttäuschungen zu erwarten. Während in den meisten Kampfkunstschulen Katas oder Formen gelehrt wurden, entwickelten sich die Kickbox-Schulen in den Hinterhöfen der Städte. Wer sich wirklich als strammer Kerl beweisen wollte, ging in eine dieser Kickboxschulen. Diese Kampfsportschulen hatten einen schlechten Ruf. Man ging davon aus, dass überwiegend Halbstarke, Bandenmitglieder und Schläger ihre Straßenkampffähigkeiten dort unter beweis stellten.

 

Viele der früheren Kickbox-Schulen waren tatsächlich schlecht aufgestellt. Von der Qualität der klassischen Boxschulen waren die meisten Schulen weit entfernt. Technische Mängel wurden durch Härte ausgebügelt. Die verwendeten Techniken waren häufig ein Mix aus verschiedenen Kampfstilen. Klassisches Boxen, Taekwondo und Muay Thai Elemente wurden zusammengewürfelt und unter Kickboxen vermarktet. Die Ausrüstung war dürftig und die Verletzungsgefahr hoch. Die Auslese der Kampfsportler war entsprechend hoch. Diejenigen, die ein Teil dieser Gemeinschaft sein wollten, mussten körperlich zäh sein.

Jean Claude Van Damme
Jean Claude Van Damme

Die Schulen entwickelten sich weiter. Die ersten Kampfsporttouristen besuchten das Ursprungsland ihrer Kampfkunst und kamen mit neuen Ideen, Inspiration und Wissen zurück. Das Thai-Boxen (Muay Thai) wurde beliebter und verdrängte das Kickboxen vom Kampfsportmarkt. In den 80er Jahren gründeten einflussreiche Geschäftsleute das K1 Turnament in Japan. Die Idee des Kumite wurde neu entfacht. Verschiedene Kampfstile sollten nun gegeneinander antreten und sich beweisen. Aufgrund der gegebenen Kampfregeln entstand der K1 Kampfstil. Das Niveau und die Qualität des professionellen K1 ist durchaus mit dem Niveau des klassischen Boxen vergleichbar.

 

Die Beliebtheit des Muay Thai und des K1 wuchsen zur selben Zeit weshalb auf K1 Veranstaltungen auch Muay Thai Kämpfe ausgetragen wurden und umgekehrt. Während in Thailand das K1 eine untergeordnete Rolle spielte wurde Weltweit damit ein riesen Geschäft geführt.  

Im Laufe der Jahre verlor das K1 allmählich an Popularität und die großen Veranstaltungen verloren ihre Sponsoren und Finanziers. 2004 erreichte K1 seinen Höhepunkt, während sich Mixed Martial Arts in Amerika großer Beliebtheit erfreute.

 

Die Magie welche der Kampfkünste aus den 80er und 90er Jahren inne wohnte verloren ihren Zauber im Laufe der Jahre. Die Filme unserer Jugend erscheinen aus heutiger Sicht nostalgisch und überholt. Karate und Kung Fu forciert  allmählich zum Altherrensport. Vorbei sind die Zeiten, in denen Karate als effektive Kampfkunst galt. Stattdessen erleben Vollkontaktsportarten wie Boxen, Kick- Thaiboxen, Ringen, Jiu Jitsu in den Martial Mixt Arts bzw. im Freefight neue Bedeutung.

 

Meine persönliche Perspektive aus der Sicht eines alten Athleten sieht wie folgt aus. Der Jugend von heute fehlt der Charme der 80er Jahre und seine Filmhelden. Es fehlt ihnen an der nötigen Inspiration welche uns in die Kickbox-Clubs führte. Wir wollten so hart und stark wie Jean Claude Van Damme, so schnell und akrobatisch wie Bruce Lee sein. Wir wollten den ultimativen Kampfsport trainieren. Die Perfektion in Körperbeherrschung erlernen. Um ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein, haben wir Willensstärke bewiesen und eine hohe Schmerztoleranz entwickelt. Viele der Jugendlichen heute sind dazu nicht mehr bereit. Die Ablenkungen und Angebote des Alltags sind zu groß. Das Bodybuilding erfreut sich neuer Popularität, mehr denn der Beherrschung einer Kampfkunst. Trotz des hohen Angebots finden nach wie vor viele Jugendliche und Kinder ihren Weg in die Kampfsportschulen. Die Schüler sind heutzutage jünger als wir damals. Demnach können wir uns in Zukunft über technisch ausgereiftere Boxkämpfe erfreuen. 

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